Herbert Lauermann (Österreich)

"Ausgangspunkt und Grundlage der Komposition ist die autobiographische Erzählung "Jugend in einer Österreichischen Stadt" (1961) von Ingeborg Bachmann. Die Erzählung berichtet über ihre frühe Jugend vor dem politischen Hintergrund der Nazizeit; über Sinneseindrücke, Jugend- und Schulerlebnisse; über die bedrückenden Verhältnisse, in denen die Autorin aufwuchs.

TRIO II [...übungen im horizontgewinn und traumverlust...] baut sich formal aus einer losen Folge von acht sog. "Arien" (jeweils in Trio-Besetzung) und sieben "Arienfragmenten" (in variablen Farbkombinationen: 3 Soli, 3 Duos, 1 Trio) auf, die als Klang-Metaphern (im wörtlichen Sinn!) von Textpassagen der Erzählung zu verstehen sind. Die Teile sind Reflexionen über konkrete, in der Handlung erreichte Zustände, die wiederum durch Transformation von sprach-phonetischem Material in klingende Form entstanden sind. Jeder Satz stellt für sich ein im Affekt einheitliches Klang-Gebäude dar und bezieht den musikalischen Ausdruck gleichsam aus dem Inneren der Sprache Ingeborg Bachmanns, aus dem Inneren ihrer phonetischen Struktur.

Das analytische Erfassen und klangliche Umsetzen von Sprachstrukturen und Sprachlauten in Musik und damit das Vermitteln von Inhalten in einer neuen reduzierten, zerbrechlichen Klang-Sprache ist Ziel dieser kompositorischen Auseinandersetzung mit dem Wort.
Es geht dabei um Vermittlung zwischen den Kommunikationssystemen Sprache und Musik, um eine neue Form der Wort-Ton-Beziehung - mit allen erstaunlichen Konsequenzen im klanglichen und vor allem formalen Bereich.
Der Untertitel ist ein Textzitat aus der Erzählung, das dem 3. "Arienfragment" (Duo Vc / Kl) zugrunde liegt."

Herbert Lauermann wurde 1955 in Wien geboren. Nach ersten privaten Tonsatzstudien bei Ernst Vogel studierte Lauermann ab 1975 Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Erich Urbanner.
Seit 1994 ist Lauermann selbst als Lehrer an diesem Institut tätig.
Als Komponist erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Publicity-Preis der Austro Mechana und den MECENAS-Preis für KAR Raum-Musik-Theater, sowie den Preis der Stadt Wien und den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik.
Sein Werkverzeichnis umfasst Kammermusik verschiedener Besetzungen, Chor- und Orchesterwerke. Internationale Anerkennung brachten dem Komponisten vor allem seine Werke für das Musiktheater (u.a. "Simon" für den Carinthischen Sommer, "Das Ehepaar" für den WDR Köln und "Die Befreiung" für das Ulmer Theater).