Bernd Richard Deutsch (Österreich)

"Die Komposition "Curriculum vitae" ist eine musikalische Reflexion über einzelne Aspekte von Leben und Denken Ingeborg Bachmanns, die in ihr dichterisches Werk Eingang gefunden haben. Es wurden keine Texte vertont, vielmehr dienten Gedichte wie "Das erstgeborene Land" oder "Schwarzer Walzer" als Inspirationsquelle zur Komposition des zweisätzigen Werks.
Zu Beginn exponieren Violine und Violoncello einen über 1-minütigen hoquetusartigen Verlauf, der zusammen mit dem nachfolgenden Arpeggio des Klaviers für die harmonische und melodische Entwicklung nahezu der gesamten Komposition verwendet wurde. Eine weitere Keimzelle geht auf ein musikalisches Zitat zurück: Die Lektüre des Bandes mit nachgelassenen Gedichtfragmenten Ich weiß keine bessere Welt und die darin deutlich erkennbaren Anspielungen auf Wagners "Tristan und Isolde" führten zu einer verfremdeten Reminiszenz an das berühmte Liebesduett in dieser Oper im Mittelteil des zweiten Satzes."

Verwendete Gedichte Ingeborg Bachmanns:
"Curriculum Vitae", "Das Erstgeborene Land", "Schwarzer Walzer",
"Mild und leise" (aus: Ich weiß keine bessere Welt. Unveröffentlichte Gedichte)"

Bernd Richard Deutsch wurde 1977 in Mödling bei Wien geboren. Er begann im Alter von 15 Jahren zu komponieren und studierte von 1995-2001 in Wien Komposition bei Erich Urbanner und elektroakustische Komposition bei Dieter Kaufmann, er besuchte außerdem Kurse bei Boguslaw Schaeffer und Manuel Hidalgo. Sein Werkverzeichnis umfasst sowohl Kompositionen für kammermusikalische Besetzungen wie Streich- oder Gitarrenquartett, als auch für Orchester. 1999 wurde seine Kammeroper Die Verwandlung - nach Franz Kafkas gleichnamiger Erzählung - uraufgeführt. Sein bislang größtes Werk ist das nahezu zweistündige "neurotische Oratorium" Martyrium oder Die Dinge sind für großes Orchester, Chor, Solisten sowie Tonband- und Filmzuspielungen.
Bernd Richard Deutsch erhielt 2002 den Ernst Krenek-Preis der Stadt Wien sowie 2003 den Förderungspreis der Republik Österreich für Musik.